Fragen zu: Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen)


RPGN – Rapid progressive Glomerulonephritis
Minimal-Change-Glomerulonephritis
IgA-Nephritis (Morbus Berger)

RPGN – Rapid progressive Glomerulonephritis

Frage:

Die Diagnose lautet: Perakute Glomerulonephritis und die (vorläufig) einzige Therapie ist eine regelmässige Plasmapherese. Ist das richtig?

Dr. Pachmann:

Es gibt Erkrankungen, bei denen sich das körpereigene Abwehrsystem plötzlich gegen den eigenen Körper wendet, in Ihrem Fall wohl gegen die Nieren.

In einem solchen Fall ist manchmal eine Plasmapherese die einzige Möglichkeit, dieses Geschehen zu durchbrechen. Dabei wird das Blut in Zellen und Plasma getrennt, und das Plasma wird durch frisches ersetzt. Das hat zur Folge, dass die Abwehrstoffe (Antikörper), die sich gegen körpereigenes Gewebe richten, aus dem Körper entfernt werden.

Damit kann vor allem das sog. Goodpasture-Syndrom oder die Krankheitserscheinung, die Thrombotisch-Thrombozytopenische Purpura oder Hämolytisch-urämisches Syndrom genannt wird, gut behandelt werden. Doch auch andere akute Nierenerkrankungen können mit Plasmapherese behandelt werden.

Minimal-Change-Glomerulonephritis

Frage:

Ich habe seit 1980 durch Biopsie  festgestellt und 2000 rebiopsiert eine GN minimal Change habe aber trotz normaler Krea Werte und normalem(eingestelltem) Blutdruck eine Proteinurie von 8-9 g Pro Tag. Nehme 3,5 mg Decortin und 2g Cellcept/Tag. Wieso geht die Proteinurie nicht zurück?  Muß ich mit baldiger Dialyse rechnen??

Dr. Pachmann:

Die Proteinurie ist ein Hinweis darauf, dass das Filtersystem Ihrer Nieren (umgangssprachlich gesagt) zu große Poren (Löcher) hat. Diese Schädigung tritt bei der minimal-change-GN typischerweise auf, und ist unter der Behandlung oft wieder rückgängig zu machen. Leider ist dies nicht in allen Fällen möglich, und so kann es dazu kommen, dass die Proteinurie (Eiweißausscheidung mit dem Urin) weiterhin besteht.

Man weiß, dass eine solche Proteinurie eine weitere Nierenschädigung verursachen kann, und muss daher das Risiko durch eine gute Blutdruckeinstellung und oft auch durch eine immunsuppressive Behandlung so gering wie möglich halten. Meist werden auch ACE-Hemmer und oder Angiotensinrezeptorblocker sowie Diuretika eingesetzt, um die Proteinurie zu vermindern.

Welche Aussichten in Ihrem Fall bestehen, ist über das Internet absolut nicht zu beurteilen. Es ist sicherlich als günstig anzusehen, dass trotz der großen Proteinurie und der langen Krankheitsdauer von über 20 Jahren noch normale Kreatininwerte vorliegen. Aber für eine bessre Beurteilung sollten Sie sich an Ihren behandelnden Nephrologen wenden.

IgA-Nephritis

Frage:

Welche Bedeutung hat der Begriff IgA bei IgA-Nephritis?

Noch eine weitere Frage: Können Infekte, z.B. Erkältungen zur Verschlechterung der Nierenleistung bei IgA-Nephritis beitragen?

Dr. Pachmann:

IgA bezeichnet Immunglobulin des Typs A. Immunglobiline sind Abwehrstoffe des Körpers, die der Abwehr von Bakterien, Viren und Pilzen dienen.

Bei der IgA-Nephritis geht man davon aus, dass der Körper durch eine fehlgeleitete Immunantwort nun gegen das eigene Nierengewebe vorgeht. Der Name kommt daher, dass man bei der mikroskopischen Untersuchung des Nierengewebes Ablagerungen dieses Abwehstoffes im Nierengewebe vorfindet.

Ganz typischerweise bemerken viele Patienten die Rotverfärbung des Urins als Zeichen des Ausscheidens von roten Blutkörperchen erstmalig bei einem grippalen oder bakteriellen Infekt. Auch bei bestehender IgA-Nephritis kommt es sehr häufig gerade bei Infekten zu einer (meist vorübergehenden) Verschlechterung der Nierenfunktion.

Frage:

Ich hatte 2004 rez. grippale Infekte einhergehend mit Makrohämaturie, zeitweise Proteinurie, kein Anstieg des Serumkreatinins, V.a. IgA-Nephritis (nicht histologisch gesichert), abgesehen von einer persistierenden Mikrohämaturie keine Residuen.

Was ist bei eintretender Schwangerschaft zu beachten bzw. welche Komplikationen könnten auftreten?

Dr. Pachmann:

Eine Schwangerschaft kann jede Nierenerkrankung verschlechtern, autoimmune Nierenkrankheiten in seltenen Fällen auch einmal bessern. Eine Vorhersage ist absolut nicht möglich. Insbesondere da keine Nierenbiopsie durchgeführt wurde, ist es sehr schwierig, eine Empfehlung oder Vorhersage zu treffen.

In einer Veröffentlichung von 1991 gab es nur bei Patientinnen mit schwer einstellbarem Bluthochdruck oder bereits initial schlechter Nierenfunktion gab es mehr Probleme (verschlechterte Nierenfunktion, Komplikationen bei der Geburt), bei allen anderen blieb der Verlauf im Verhältnis zu Patientinnen ohne Schwangerschaft gleich (Kidney int. 1991 Dec; 40(6):1098-102)

In jedem Fall sollte die Schwangerschaft von einem Nephrologen mit begleitet werden, insbesondere sollte Wert auf engmaschige Blutdruckkontrollen und ggf. Einstellung gelegt werden. ACE-Hemmer, die ja bei IgA-Nephritis Mittel der Wahl sind, dürfen in der Frühschwangerschaft nicht eingesetzt werden. Wünschenswert wäre (bei persistierenden Beschwerden) eine histologische Diagnose vor Beginn der Schwangerschaft.

 

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