Fragen zu: Blutwäsche (Hämodialyse)

Dialyse über 2 Nadeln oder über eine Nadel?
Infektionen an und durch die Dialyse?
Temperatur der Dialyse?
Schwangerschaft als Dialysepatientin?
Senkt die Dialyse das Creatinin?
Wann muss mit der Dialyse begonnen werden?

Fragen zum Dialyseshunt (Gefäßzugang)

Allgemein / Technische Fragen:

Frage:

In welchen Fällen muss mit Single-Nadel dialysiert werden?

Wie hoch ist die Effektivität der Dialyse mit nur einer Nadel gegenüber der normalen Dialyse mit zwei Nadeln?

Dr. Pachmann:

Immer dann, wenn man aus Gründen des Shunts nur eine Nadel platzieren kann, muss man eben im single-needle-Verfahren dialysieren. Andere Gründe sind z.B. wenn man nur einen einlumigen Vorhof-Katheter oder Shaldon-Katheter zur Verfügung hat.

In der Regel ist die Dialyseeffektivität deutlich reduziert, weil der effektive Fluß eben wesentlich geringer ist.

Um einen ungefähren Vergleich zu haben: Bei einem gut laufenden Shunt kann man Pumpengeschwindigkeiten um 300ml/min erreichen. Selbst bei einem sehr gut laufenden einlumigen Vorhofkatheter, bei dem eine Pumpengeschwindigkeit von 500ml/min möglich ist, liegt der effektive Fluß maximal bei ca. 180-200ml/min.

Infektionen an der Dialyse
Frage:

Es ist immer die Rede von der Gefahr sich Infektionen bei einer Dialyse zu holen. Um welche Infektionen handelt es sich?

Dr. Pachmann:

Dialysepatienten sind durch das Organversagen generell deutlich stärker durch Infektionen gefährdet. Auch liegen meist Begleiterkrankungen (z.B. Diabetes) vor, die auch an sich zu einer höheren Infektneigung führen. Dies ist in großen Statistiken belegt.

Infektionen durch die Dialyse sind jedoch äußerst selten. Man verwendet ja für jeden Dialysepatienten ein eigenes Blutschlauchsystem und einen eigenen Dialysator.

Berücksichtigen muss man allerdings die Infektionen, die nur wegen der Dialysepflicht auftreten, also z.B. Infektionen des Dialyseshunts oder des Katheters zur Dialyse (Shaldon). Diese Infektionen sind jedoch unvermeidlich.

Temperatur des Dialysates/Körpertemperatur bei Dialyse
Frage:

Was hat die Niereninsuffizienz und auch die Dialyse mit der Regulation der Körpertemperatur / des Temperaturempfindens zu tun und warum ist das Immunsystem bei Dialysepatienten geschwächt? Diese Fragen sind mir sehr wichtig und im Internet findet man keine Antworten dazu.

Dr. Pachmann:

Die Körpertemperatur wird durch verschiedene Mechanismen gesteuert, in der Regel werden diese Mechanismen durch die Niereninsuffizienz nicht beeinträchtigt. Bei der Dialyse wird jedoch das ganze Blut des Körpers (natürlich immer nur in kleinen Portionen) mehrfach durch die Dialysemaschine gepumpt, und würde sich ohne Temperaturregulation in der Maschine stark abkühlen.

Man hat aber die Erfahrung gemacht, dass es leichter zu Blutdruckproblemen kommt, wenn man das dialysierte Blut mit 37° in den Körper zurückgibt. Daher wird an der Dialysemaschine oft das Blut etwas kälter als die normale Körpertemperatur, nämlich mit 36 oder 36,5°, zurückgegebn.

Das Immunsystem hingegen ist in erster Linie durch die Niereninsuffizienz geschwächt. Die Mechanismen sind unterschiedlich: Einerseits können bei großem Eiweißverlust über die Niere, wie er oft bei niereninsuffizienten Patienten vorliegt, auch Abwehrstoffe mit verloren gehen. Zudem bedeutet der Ausfall eines Organes einen erheblichen Streß für den Körper, der auch schwächend auf das Immunsystem wirkt. Dann sind auch noch die Giftstoffe, die von gesunden Nieren aus dem Körper entfernt würden, auch für das Immunsystem schädlich. Als weitere Quelle der Infektionsneigung zählt bei vielen Dialysepatienten auch, dass sie häufig mit Flüssigkeit überladen sind. Dies führt insbesondere in der Lunge zu einer Neigung zu Lungenentzündungen. Es gibt auch noch weitere Faktoren, die die Immunabwehr schwächen, die ich hier jedoch nicht alle aufzählen kann.

Infektionen durch die Dialyse selbst, z.B. im Shunt, sind jedoch eher selten.

Schwangerschaft?
Frage:

Was ist mit Schwangerschaft unter der hemodialyse ??

Dr. Pachmann:

Generell kommt es unter Hämodialyse nur selten zu Schwangerschaften, aber es wird immer wieder von erfolgreichen Schwangerschaften berichtet. Dann ist eine enge Begleitung durch Frauenarzt und Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) wichtig. Zudem sollte unbedingt ausreichend dialysiert werden und Medikamente so umgestellt werden, dass einerseits die Komplikationen der Niereninsuffizienz möglichst gut behandelt werden, aber keine Gefahr für das ungeborene Leben besteht.

Creatininspiegeländerung durch Dialyse?
Frage:

Hallo, mich interessiert,ob der Serumkreatininspiegel durch die Dialyse (bzw durch die Daue der Dialyse) obligatorisch gesenkt wird, oder ob andere Faktoren noch eine Rolle spielen.

Dr. Pachmann:

Creatinin ist ein kleines Molekül, das die Membran des Dialysators leicht passiert, daher wird der Creatininspiegel obligatorisch gesenkt. Welcher Spiegel dann unter der Dialyse tatsächlich kontinuierlich besteht, ist aber von Patient zu Patient stark verschieden und liegt an der Höhe des Muskelstoffwechsels. Insofern kann unter der Dialyse sowohl ein Creatininspiegel von 13mg/dl als auch einer von 1,5mg/dl bestehen, ohne dass dadurch eine Aussage über die Qualität oder Effektivität der Dialyse möglich ist.

Dialysebeginn

Frage:

Hallo ich wüsste gerne ab was für einen Kreawert eine sehr große Einschränkung da ist.

Dr. Pachmann:

Ab etwa 60% Nierenrestfunktion muss mit begleitenden Komplikationen und Störungen gerechnet werden. Dies kann bei einem muskleschwachen älteren Menschen bereits bei einem Creatininwert von ca. 2mg/dl erreicht sein, bei einem jungen, sonst gesunden Menschen mit viel Muskelmasse jedoch erst bei über 5mg/dl vorliegen.

Mit der Dialyse muß ab etwa 15-10% Nierenrestfunktion begonnen werden, in Einzelfällen oder bei besonderen begleitenden Beschwerden auch schon früher.

Frage:

Ich habe Zystennieren und aktuell eine Niereninsuffizienz im Stadium der kompensierten Retention, Serum-Kreatinin 3,9 mg/dl, Kreatininclearence 19 ml/min. Welche Werte sind normal ? Bei welchen Werten entsteht Dialysepflicht ?

Dr. Pachmann:

Die Normalwerte für Kreatinin sind abhängig von Alter und Körpermasse. Die Kreatininclearance liegt beim gesunden Menschen normalerweise über 100ml/min.

Absolute Grenzwerte für die Dialysepflicht gibt es nicht, die Beurteilung, ob eine Dialysepflicht besteht, muss für jeden Patienten individuell vom betreuenden Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) gestellt werden. Fast immer muss man aber bei einem Abfall der Crea-Clearance von unter 15-10ml/min von einer Dialysepflichtigkeit ausgehen. Für die Beurteilung ihres Falles sollten Sie sich aber bitte an Ihren betreuenden Arzt wenden.

Frage:

Bei meinem Großvater hat man festgestellt, daß seine Nieren nur noch zu 17% funktionieren und sein Herz zu 30%. Er soll nun drei mal wöchentlich zur Dialyse. Allerdings soll die Dialyse erst in etwa drei Monaten begonnen werden. Wenn die Nierenfunktion fast bei Null liegt, warum warten man dann noch so lange, bis man mit der Dialyse beginnt, ist das Risiko eines kompletten Nierenversagens nicht viel zu groß dabei, bzw. kann es nicht passieren, daß der Körper bis dahin vergiftet?

Dr. Pachmann:

Sie schreiben ja selbst, dass die Nierenfunktion bei 17% liegt und nicht bei null, daher ist es wahrscheinlich vertretbar, einen baldigen Dialysebeginn anzustreben, dies aber nicht sofort durchzuführen. Ich bin sicher, dass Ihre genannte Befürchtung unbegründet ist; auch bei uns ist es nicht selten, dass bei einer Nierenfunktion, die an der Grenze zur Dialysepflichtigkeit liegt, und die sich aller Wahrscheinlichkeit nach nur sehr langsam verschlechtern wird, ein Dialysebeginn im Zeitrahmen von mehreren Wochen bis einigen Monaten angestrebt wird. Allerdings halten wir eine engmaschige Überwachung des Patienten in dieser Zeit für sehr wichtig. Sicher ist für die medizinische Überwachung auch bei Ihrem Großvater gesorgt, so dass Ihre Befürchtungen nicht ganz so groß sein müssen.

Frage:

Ich bin 64 Jahre Alt und leide unter Niereninsuffiezens, Zur Zeit habe ich eine Nierenbeckenentzündung und mein behandelnder Arzt sagte mir, dass ich nach einer Nierenbeckenentzündung wahrscheinlich an die Dialyse müsste

Dr. Pachmann:

Wenn die Niereninsuffizienz bereits weit fortgeschritten ist, und nur noch wenig fehlt, um dialysepflichtig zu werden, kann ein einfacher Harnwegsinfekt, der sonst nicht schlimm wäre, bedeuten, dass nun Dialyse begonnen werden muss.

 

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